Blumfeld

Verbotene Früchte

Hamburg legt nach: Letztes Jahr war mit Kettcar und Tomte die jüngere Generation dran, dieses Jahr kommt neues von den Sternen und-
Blumfeld, deren neueste Werke wie Verbotene Früchte bereits seit einiger Zeit zum kulturell-medialen Großereignis geraten. Was sicher nicht die Schuld von Blumfeld ist, aber ob Jochen Diestelmeyer vor 10 Jahren nicht doch in heiligen Zorn verfallen wäre, wenn er (wie jetzt geschehen) vom Rolling Stone als "deutscher Dichter" tituliert wird?
Aber gut- genau solche Verwirrung haben Blumfeld hier stiften wollen: Verbotene Früchte meint den Rückgriff auf deutsche Naturlyrik des 19. Jahrhunderts, womit die schon länger Bestehende Tendenz zur Innerlichkeit einen neuen Höhepunkt erfährt. Ebenso wie die ohnehin seit jeher omnipräsente Sensibilität, die auf Verbotene Früchte für meinen Geschmack langsam zur Kuscheligkeit gerät. Auch das womöglich mit voller Absicht, das Nichtbedienen von Ansprüchen und Images scheint nach L'Etat Et Moi unausgesprochen die zentrale Mission von Blumfeld zu sein. Finde ich auf seine spezielle Weise auch wieder recht durchsichtig. Und nebenbei: Wo die Veröffentlichung von Verbotene Früchte in eine Zeit fällt, wo Pop heftiger diskutiert wird als im Jahrzehnt davor, hätte ich durchaus das Gefühl, dass die Erfinder von "Diskurs-Rock" etwas produktives dazu beitragen könnten- Jochen Diestelmeyer könnte das, wenn er keine Apfelmänner frühstückt...
Trotzdem keine Missverständnisse: Die großen und kleinen Gefühle sind fast immer OK mit mir und ich denke auch, dass das in Zeiten, wo Aggromanen das Land unsicher machen, durchaus ein Statement ist. Sogar die Begeisterung für Natur kann ich als Kind vom Lande gut nachvollziehen, habe aber ein deutliches Gefühl in dieser Richtung: Das ist der Elfenbeinturm- mit meiner Realität hat das leider nichts zu tun. Aber warum auch, möglicherweise meint Verbotene Früchte ja genau das. Wie heißt es am Gymnasium? q.e.d. ;-)

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