Crossover

Warp 9

Unter diesen Vorzeichen erwies sich der Crossover-Feldversuch des Hardcore-Lagers in Richtung Funk als extrem folgenschwer. Obwohl anfangs wohl niemand im entferntesten damit gerechnet hätte: Die ersten Experimente dienten mehr dem Zweck, die Slap-Bass-Technik in den Hardcore-Kontext zu integrieren- will sagen: Zum Krach machen einzusetzen ;-) Das klappte auch vorzüglich, wie man beispielsweise bei Beefeater hören kann (die über Dischord immer noch erhältlich sind). Das war anfangs besonders für dogmatische Punks ungefähr so seltsam wie Jodeln und wurde auch genau deswegen eingesetzt.
Aber die Ex-Punks mussten feststellen, dass sie damit in einem Raumschiff saßen, dass bereits von anderen Crews mit einem Warp-Antrieb bestückt worden war... Das Treibstoffgemisch aus Hardcore, Funk, Metal und Rap erreichte seine kritische Masse ab 1986. Schließlich wunderte sich kaum noch jemand, dass eine ehemalige New Yorker Punk-Band, die sich Beastie Boys nannten, den Hiphop für sich entdeckte. Und an der entgegen gesetzten Küste waren die Red Hot Chili Peppers zwar anfangs mehr in Richtung George Clinton unterwegs, hatten aber auch eine Menge Punk inhaliert.
Es folgte fast notwendiger Weise der Sprung über die Warp-Schwelle- eine Serie von Alben wurde zu Welthits, die Funk-Crossover in der Saison 86/87 zu dem heißesten Ding seit langem machten:

(Oder sollten es noch mehr gewesen sein? Gib Schub! ;-)
Nebenbei: Das scheint die bis dahin gänzlich erfolglosen Alt-Hardrocker namens Faith no More so weggeblasen zu haben, dass die sich gleich einen rappenden Jungspund als MC engagierten, den Basser zum slappen nötigten und siehe da: Das führte mit "We care a lot" anno 88 zu einem mittelschweren Welthit. Danach dümpelte es wieder, weswegen nochmals der Vorturner ausgetauscht werden musste- der nächste nannte sich Mike Patton...
Spätestens ab da hatten auch die Industrie-Bosse hinter ihren Schreibtischen mitbekommen, dass da was geht und taten, was sie am besten können: Sie zückten die Scheckbücher und kauften alles, was nicht bei 3 das slappen lassen konnte. Schließlich kam die unvermeidliche Hyper-Inflation: Unzählige Kellermusiker hielten funky Hardcore-Crossover für die Lizenz zum Gelddrucken und kickten das auf Teufel komm raus. Resultat: Mit Beginn der 90er konnte das kaum ein "Undergrounder" mehr hören.
Und wie die Massenmarkt-Mechanismen so sind, bedeutete das ebenso unvermeidlicher Weise das Ende von Hardcore (und Crossover).

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