Roisin Murphy

Ruby Blue

Roisin Murphys Erstling Ruby Blue wurde 2005 von der Kritikerzunft mit viel Applaus bedacht, aber (beispielsweise von der Spex) auch mit einiger Skepsis beäugt. Denn in ihrer Vergangenheit als Frontfrau von Moloko hat Roisin Murphy recht unbeschwert so manchen Tanz veranstaltet, der den Chef-Analysten schwer im Magen lag. Folglich produziert der mit Ruby Blue vollzogene Wechsel ins ernsthafte Fach auch einige Fragezeichen.
Aber soviel muss der Neid ihr lassen, den britischen Querdenker vom Dienst -Matthew Herbert- mit der Produktion zu beauftragen, war eine sehr weise Entscheidung. Dieser hat auch auf Ruby Blue nicht zuletzt die eigene Legende gepflegt und Roisin Murphy zunächst die Hausaufgabe erteilt, persönliche Gegenstände aller Art mitzubringen, um im Studio ihr klangliches Potenzial zu untersuchen.
Auf solche Weise hat der Maestro ihr ein absolut beachtliches Kleid geschneidert, das einer weitgereisten Frau wie Roisin Murphy hervorragend zu Gesicht steht. Matthew Herbert hat für sie einigen D&B assimiliert und Beat-Architekturen von jazziger Komplexität (ja, doch:) gezaubert, die es ihr ermöglichen, mit ziemlich souveränder Selbstverständlichkeit eine sehr eigene Position zu beziehen. In puncto Eigenwilligkeit drängt sich mir momentan gerade ein Vergleich zu den im Rock-Sektor omnipräsenten Dresden Dolls auf, deren Style sich neben der entspannten Deepness von Roisin Murphy recht verkrampft ausnehmen würde. Ein echtes Kunststück also: Eigene Sprache, selbstwusst locker gesprochen- sowas kann ich nur großartig finden.

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