Jungle Brothers

Done By The Forces Of Nature

Warner
1989

Dies ist der Startpunkt einer Reihe mit zeitlosen Errungenschaften, die ich erstmal ohne große Rubrik locker mit druntermische. More to come...
Und wenn dir auch was am Herzen liegt- immer her damit: Gib Schub!

Dies ist das zweite (?) Album der Jungle Brothers- man schrieb das Jahr 1989, von den Native Tongues war auf dieser Seite des großen Teichs noch fast nichts bekannt. Aber Afrocentricity war ein großes Thema. Anlass genug für die Jungle Brothers, der Angelegenheit mit Done By The Forces Of Nature auf den Grund zu gehen. Was vom Sound her auch bestens glückte: Leicht knarziger Beat-Minimalismus- so konnte man sich tatsächlich einen "concrete jungle" vorstellen. Und die Schicht Old-School-Patina, die mittlerweile draufliegt, bringt heutzutage nochmal einen sympathischen (wenn auch damals sicher so nicht gewollten) LoFi-Effekt, was durchaus als zeitlos angesehen werden kann. Je nach eigenen Soundvorstellungen- vor allem den Flow der späten 80er kannst du inzwischen natürlich auch als "holperig" bezeichnen.

Prophetisch auch die Collabo der Jungle Brothers mit dem House-DJ Towa Tei, der erst Jahre später mit Deee-Lite weltbekannt werden sollte. Das erbrachte zwei sehr tanzbare Tracks, wobei noch das Kunststück gelang, dies trotzdem nicht als soundtechnischen Widerspruch wirken zu lassen. Von Anfang bis Ende sozusagen organischer jungle beat- ein Name, ein Programm.
Gleichzeitig bedeutete Done By The Forces Of Nature der Jungle Brothers das erste dicke Ausrufezeichen, das die Native Tongues in der Weltöffentlichkeit setzten. Forces of nature deute schon klar an, was ein Jahr später von A Tribe Called Quest und De La Soul massiv beschleunigt wurde. Wobei sich die Jungle Brothers im Vergleich dazu deutlich mehr experimentelle Anteile gönnten- was sich am Markt natürlich nicht auszahlt...

Diese Experimente wurden mehrheitlich auf die zweite Seite des Longplayers gelegt und so spürbar einen Gang zurück geschaltet. Was nicht nur für damalige Ohren strange und sperrig klingen konnte, besonders im Vergleich mit dem freundlichen Pop-Appeal der erfolgreichen Native Tongues-Kollegen. Und mitten im soundtechnischen Outback der heimliche Hit von Done By The Forces Of Nature: Das beschwingt-funkige "Doin our own dang" featurete obendrein die Native Tongues in voller Breite: Q-Tip, Queen Latifah, Monie Love, Trugoy... (Ist eigentlich irgendwem bekannt, ob die Tongues überhaupt nochmal in solcher Form zusammen zu hören waren?)

Erst viel später sollte sich rückblickend zeigen, dass gerade die zweite Seite ihrer Zeit deutlich voraus war. Dieser reduzierte Soul, der in der damaligen Blümchen-Inflation etwas depressiv klang, lieferte möglicherweise den ersten Ansatz zur "Low End Theory" die A Tribe Called Quest ein halbes Jahrzehnt später entwarfen, als sie von Starruhm die Nase voll hatten.
Und wie das mit den Propheten immer so ist- sie bleiben oftmals reichlich einsam. Schon vom großen Boom der anderen Native Tongues bekamen die Jungle Brothers eher wenig ab und es sollte sogarn noch schlimmer kommen. Zunächst schienen die Dinge in den frühen 90ern allerdings auf einem guten Weg zu sein: Weiter auf der suche nach neuen Horizonten wurde für das Folgewerk der damals omnipräsente Producer Bill Laswell (bekannt geworden als Bassist der Elektronik-Avantgardisten Material, danach an einigen Jazz-Projekten beteiligt und schließlich erfolgreicher Produzent) verpflichtet. Dieser bezeichnete das aufgenommene Material beeindruckt als "far out".

Nun folgte eins der traurigsten Lehrstücke der neueren Musikgeschichte. Die Plattenfirma erklärte die Angelegenheit für unverkäuflich und sperrte die Tapes in den Giftschrank. Zwar wurde dann doch einiges davon veröffentlicht, allerdings erst Jahre später auf einer Scheibe, die einzig und allein dem Zweck diente, ihren Vertrag mit den Sklaventreibern zu erfüllen. Dementsprechend klang das und dementsprechend ging das auch unter. Das Ende vom Lied: Die Jungle Brothers zerbrachen und während die restlichen Native Tongues gutes Geld verdienten, mussten sich die Pioniere mit bescheidenen Jobs durchs Leben schlagen.
Noch sehr viel später wurde dann nochmal ein Comeback versucht, aber das dokumentierte auf betrübliche Weise, dass die Jungle Brothers inzwischen im negativen Sinne "far out" waren.

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