Kelis

Wanderland

Virgin
01



Wanderland ist der zweite Longplayer von Kelis, der seinerzeit nicht unwesentlich zum Ruhm der hier produzierenden Neptunes beitrug (die zum Start des neuen Jahrzehnts bekanntlich bei vielem die Finger drin hatten). Diese leisten hier für damalige Verhältnisse durchaus überraschendes: Sie verwenden mehrheitlich im Mainstream-Hiphop eher unübliche 80er-Retro-Sounds. Was bei näherer Betrachtung ja eigentlich seltsam ist, denn schließlich war es die zweite Hiphop-Welle, die den "Electric Boogie" vor 20 Jahren weltbekannt machte. Im Gegensatz zu den Funk/Soul-Roots wurde dieses Erbe längere Zeit als unhip betrachtet. Bis Kelis/Neptunes zeigten, dass man damit einen Hit landen kann. So war Kelis, die der Presse anno 01 dazu auch das passende Retro-Outfit präsentierte, mit Wanderland um einiges früher auf der neuen Welle, als einige Elektroniker, die das wenig später zum Hauptberuf machen sollten.
Für eine wie Kelis, die mit ihrem Erstling großen Erfolg in der R&B-Szene hatte ein mutiger soundtechnischer Schachzug, auch wenn es mir persönlich immer noch etwas gewollt vorkommt. Aber Kelis positionierte sich damit im Heer von R&B-Sternchen als eine Persönlichkeit mit eigenem Stil- vor allem höchst erfolgreich: Beste Chartsplätze galore.
Für mich nicht so der Knaller, den die Trend-Schnüffler ausgemacht haben wollten, aber auch nicht uncool.
Obwohl ich insgesamt nicht so ganz verstehe, warum eine, die anscheinend tough as fuck ist (oder zumindest seinerzeit in Interviews so tat) und angeblich sehr auf heftigen Rock steht, sich so viele Balladen ans Bein nageln lässt...
(...und alles Mögliche tut, bloß keinen Rocksound fährt)
Anderer Meinung?