Sade

Lovers Rock



Sade Adu ist ein interessantes Phänomen: Sie bleibt mittlerweile seit ca. 20 jahren ihrem Style treu, ohne daran jemals große Abstriche in Richtung Zeitgeist zu machen. Der Sound bleibt immer ihrer: Jazzig, sehr mild- so soulful, dass es manchen Leuten sicher zu kuschelig kommt. Sade's große Leistung dabei ist, sich abseits des trendigen Tagesgeschäfts eine echte Identität aufgebaut zu haben- also einen jederzeit klar erkennbaren Stil, der bislang auch kaum je kopiert worden ist. Gerade über einen derartig langen Zeitraum finde ich das schwer nobelpreisverdächtig.
Bezeichnend ist, wie Sade's Schaffen von außen (besonders von der Musikpresse) wahrgenommen wird. Nach ihrem damaligen Welthit "Smooth Operator" (1984?) war der Applaus sicher. Als sie sich dann in den Folgejahren nicht an die populären Sounds anbiedern mochte und mit ihrer milden Beharrlichkeit konsequent bei ihren Wurzeln blieb, gab es Naserümpfen aller Orten (kreativer "Stillstand", etc.pp.). Schließlich hatte Sade auch wenig Lust, das übliche PR-Brimborium mit zu machen. In den raren Interviews präsentierte sich gänzlich ungestyled, dafür aber offen und locker- tödliche Marketing-Strategie ;-) OK, das Biz war damals auch noch nicht ganz so überdreht und mtv noch eine rein amerikanische Rock-Veranstaltung, die Hiphop völlig ignorierte...
In den Folgejahren kam noch der eine oder andere Radio-Hit (sprich: gern genutzter Lückenfüller), dann wurde es über die 90er sehr still aus ihrer Richtung. Was Sade nicht hinderte, 2001 mit großer Selbstverständlichkeit Lovers Rock raus zu bringen, das ihre Qualitäten bestens auf den Punkt bringt. Unaufgeregt, mit nur den allernötigsten mitteln aus Soul, Jazz und Pop ein ganz persönliches Werk von Sade Adu. Ein grenzüberschreitender minimalismus, neben dem sich Erykah Badu fast schon "protzig" ausnimmt (das sage ich mit allen Anführungszeichen, denn Frau Badu ist für mich eine der größten überhaupt).
Und siehe da: Plötzlich ist Sade wieder die Große- Schulterklopfen überall (sogar in der Spex ;-) dabei könnten ihr die Lobredner exakt die gleichen Vorwürfe machen wie vor 10-15 jahren. Sie führt ihren Sound so konsequent fort, dass sich live überhaupt kein Bruch zwischen ihren alten Hits und den neuen Songs ausmachen lässt. Alles aus einem Guss, als ob es gerade neu raus gekommen wäre. Mir fällt keinEr ein die/der solches vollbracht hat. Stellt euch doch mal vor , wie das aussehen würde, wenn Run DMC heute "Raising Hell" performen würden...
Also: Love & Respect für eine große Künstlerin, die sich inzwischen längst wieder aus dem Rampenlicht zurückgezogen hat- um mit ihrer unaufgeregten Art und Weise (die nur bei anderen Leuten "cool" zu nennen wäre) dann vielleicht in 5 Jahren wieder was von sich hören zu lassen...
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