Probot

Probot



Probot? Ja, was...
Ende 2003 erfasste ein großes Rauschen den musikalischen Blätterwald. Mit Dave Grohl kündigte ein respektabler Rockstar an, ein Projekt zu starten, das etwas anderes war, als das bei alternden Rockstars übliche "Hallo, mich gibt's auch noch" ;-)
Soweit, so nett, aber um nach dem ganzen Hype um Probot schonmal vorweg zu nehmen: Trotz All-Star-Team ist das nicht der große Wurf- aber diese Erwartung ist wohl auch ein medientechnisches Missverständnis. Sympathischer Weise hat Dave Grohl auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sowas auch nie beabsichtigt war: "Hier bin ich Fan (...) und sehe mich nicht als den Mittelpunkt von Probot", diktierte er beispielsweise Rock Hard (02/04) ins Protokoll.
Was ihn natürlich nicht davon abgehalten hat, die Medien in seinem Sinne einzuspannen- der Mann ist halt Profi. Trotzdem wird's hier keine Mäkelei von mir geben, denn die Besprechung könnte sehr straight ausfallen: Shit rocks- Punkt.
Dave Grohl hat es wieder mal allen gezeigt- diesmal sogar den Metal-Helden seiner Jugend. Denn die bekennen unisono, anfangs skeptisch und hinterher begeistert gewesen zu sein. Denn seine Omnipräsenz hat mit dem Probot-Projekt das Kunststück fertig gebracht, den Sängern alter Lieblingsbands aus den 80ern ein Stück auf den Leib zu schneidern, dass sie wohl zumeist selbst gern geschrieben hätten. Was nicht immer 100%ig geglückt ist, aber Ausfälle gibt es auch keine zu beklagen. Mit Abstand am besten funktioniert hat es mit "Centuries of Sin" für Venom's Cronos, dass konsequenter Weise auch den Opener bildet. Lemmy bekommt selbstverständlich einen echten Motorhead verpasst, dazu noch eher getragene Sachen für Leute vom Schlage Lee Dorrians (Cathedral) oder Doom-Chef Wino (St. Vitus/Obsessed). Am meisten gespannt war ich auf die Collabo mit Snake von Voivod, aber dies gehört für mich zu den eher enttäuschenden Sachen- da hat der gute Dave den Stil nur ungefähr getroffen, mehr nicht.
Insgesamt dokumentiert die Zusammenstellung ziemlich genau die Perspektive eines Hardcore-Kids der 80er, das sich nicht um irgendwelche Denkschulen schert, sondern sich vielmehr erstmal alles greift, was kickt (DAS ist Crossover!). Deswegen sind hier selbstverständlich mit Mike Dean von Corrosion of Conformidity und Kurt Brecht von D.R.I. auch prominente Vertreter der damaligen Hardcore-Szene an vorderster Front dabei.
Trotz Sympathie für die Beteiligten ist das leider auch ein Grund, warum die Sache für mich etwas unzusammenhängend wirkt. Und wer sich in der Metal-Szene der 80er grob auskennt, wird schon bei der Liste der beteiligten gesehen haben, dass hier für Metal-Heads recht verschiedene Schools of Metal vereint sind. Deswegen wirkt das auf mich eher wie ein (sehr guter!) Sampler, als ein Ding aus einem Guss- obwohl sich Dave Grohl natürlich um einen einheitlichen Grund-Sound bemüht hat.
Immerhin ist das sehr unterhaltsam geglückt- bereits das ist nicht wenig, denn man konnte durchaus Schlimmeres befürchten, wenn ein mittelalter Typ eine Hommage an die Helden seiner Jugend rausbringt...
Trotzdem ein wenig enttäuschend für mich. Denn ich bekenne mal freimütig, dass ich doch insgeheim auf so etwas wie Dave Grohls Vision von Metal gehofft hatte, die vielleicht jenseits von Traditionionalismus und Nu Metal-Marketing ein eigenes Statement liefert. Das war ein frommer Wunsch- sowas hat er ja wie gesagt nie vorgehabt (dazu ist er ja auch viel zu bescheiden). Hätte aber eine spannende Sache werden können.
So sind allerdings immer noch die Nebengeräusche spannend: Denn wo schon Personal und Zusammenstellung nochmal das Protoplasma für so ziemlich alles dokumentieren, was heutzutage als (Nu) Metal angesehen werden kann, sind auch die vermeintlich erledigten Debatten wieder auf der Tagesordnung.
(Und schon sind wir wieder mitten drin- wer meint, die Geschichte für tot halten zu müssen, ist halt selbst schuld ;-)
Trotz Anerkennung, Hype und massig Querverweisen möchte ich hier auch meinen Eindruck kundtun, dass dies aus Dave's Sicht wohl ein folgenloser Spaß für zwischendurch bleiben wird.
Wenn doch mehr Leute solche Späße machen könnten...

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