[Prog-Rock]

Van der Graaf Generator

Bei Van der Graaf Generator gab es, wie bei fast allen (Prog-)Bands jener Tage, auch ein "Mastermind": Peter Hammill- ein Texter mit herausragenden literarischen Fähigkeiten. Hammill beschränkte sich keineswegs auf das Deklamieren von Skurrilitäten (a la Genesis), er besaß wohl als einziger der Akademiker-Riege das Format, Epen mit philosophischem Tiefgang zu verfassen und war sich auch nicht zu schade, dabei massive Gesellschaftskritik zu üben. Vor allem scheint er mir der einzige echte Sänger des Prog gewesen zu sein, der mit durchaus lautstarker Leidenschaft aus der Menge der betulichen Intellektuellen herausragte.
Folglich konnte man sich bei Van der Graaf Generator mit der Instrumentierung zurückhalten und Hammill's stimmlichen Qualtitäten breiten Raum geben. In der ersten Phase ging noch alles sehr Prog-typisch in die Breite, weswegen Sachen wie "Pawn Hearts" (der Erstling?), von "echten" Prog-Rockern bis heute bevorzugt werden.
Mir persönlich gefällt die Phase um die Mitte der 70er (mit den Alben Goodbluff, Still Life und World Record) am besten. Anscheinend hat Meister Hammill "seinen" Leuten hier erstmal mehr Gestaltungsraum eröffnet. Und wie man wieder sieht: Kommunikation bringt weiter ;-) Denn die Kollegen reduzierten die Instrumentierung von Van der Graaf Generator aufs nötigste (die Gitarre kommt höchst selten zum Einsatz) und ließen Hammills Texte/Gesang noch besser zur Geltung kommen. Deswegen lässt sich der Sound durchaus als minimal Prog beschreiben- gegen den Bombast der Kollegen waren Van der Graaf Generator weitgehend immun. Prog ohne Prog sozusagen- und wie du dir denken kannst: Auch kaum erfolgreich. Vielleicht war Peter Hammill deswegen der einzige, der von der nachfolgenden Punk- und Indie-Generation noch Respekt bekam. Aber dafür kann man sich bekanntlich nichts kaufen.

So schien die Zeit des Prog mit der Wende in die 80er vorbei zu sein. Ein paar kleine Lebenszeichen gab es doch noch: Robert Fripp brachte King Crimson nochmal elektronisch geliftet an den Start (und zwar recht respektabel), Christian Vanders "Zheul" erfreute sich in Japan noch einer gewissen Beliebtheit, während die Prog-Dinos entweder ganz am Ende waren (ELP und Yes) oder sich ausschließlich auf Charts-Pop konzentrierten wie Genesis- lediglich Pink Floyd machten relativ stoisch weiter und tingelten gelegentlich durch die Stadien des Planeten.
Aber im Untergrund tat sich einiges, was zunächst zur unbemerkten Auferstehung der Grundgedanken von Prog führte, dann in den 90ern als Prog-Metal erste Zeichen setzte und schließlich im aktuellen Jahrzehnt zur endgültigen Rückkehr der Prog-Sounds führte.

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