[Pink Floyd & Prog-Rock]

Das klassische Missverständnis

Auch wenn andere Prog-Rocker die Bezüge zur Klassik noch stärker auf die Spitze trieben, sind Pink Floyd hier trotzdem ein recht typisches Beispiel. Sogar die Autoren des Rocklexikons diagnostizierten die Schattenseiten frühzeitig:
"Die Anerkennung aus dem E-Musik-Lager und aus den internationalen Feuilletons verführte die Gruppe jedoch bald zu eklektizistischen Imitationen seriöser Konzertmusik und zur Gigantomanie. Die Dominantseptakkord-Reihen aus Bachs G-Moll-Präludium, mit mulmigem Schwellorgelklang intoniert, kehrten fortan häufig wieder."
Nun ja, dass Pop keine "seriöse Musik" sei, werden Pink Floyd zu recht weit von sich gewiesen haben, trotzdem offenbart auch die Formulierung dieser Kritik genau den damaligen Zeitgeist (der sich eigentlich auch bis heute noch hält): Das einzig die Klassik "seriöse" Musik sei. Eigentlich kaum erstaunlich, dass die Söhne des Bildungsbürgertums um Anerkennung buhlten- das war bei den Kollegen von Yes und Genesis (um mal das Trimphirat des Prog-Rock zu benennen ;-) teilweise noch extremer.
Wobei der guten Ordnung halber gesagt werden sollte, dass wohl The Nice die ersten waren, die in Britannien ab 1968 Werke klassischer Komponisten wie Bach oder Tschaikowski 1:1 im Rocksound aufführten und damit große Erfolge feierten, was ich aus heutiger Perspektive durchaus verwunderlich finde. Und deren Nachfolge-Combo Emerson, Lake & Palmer trieb die Klassik-Zitate nicht nur auf die Spitze, sondern lieferte mit "einem knapp eine halbe Million Mark teuren Equipment" (Rocklexikon), mit dem man danach trachtete, ein großes Orchester nachzuahmen, den Startschuss zur Gigantomanie der nächsten Jahre.
Ansonsten hatte diese Generation bekanntlich ohnehin einen starken Hang zum esoterisch/religiösen Pathos, der mit der pastoralen Attitüde klassischer Musik gut harmonierte. Damit wurde Prog-Rock mit Beginn der 70er stetig monströser (in der Wikipedia passend als "klassische Phase" apostrophiert).

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